* Pro Slot eine Person - individuelle Vorführung (Dauer 55').
Alle 12 Minuten beginnt ein Zuschauer, mit einer VR-Brille ausgestattet, den Durchgang durch die Installation.
Deutsche oder französische Version entsprechend der Wahl des Zuschauers.
Hintergrund der szenischen Installation ANTIGONE :: COMEBACK bildet Bertolt Brechts Bearbeitung der «Antigone» mit Helene Weigel in der Titelrolle, die im Februar 1948 am Stadttheater Chur zur Uraufführung kam. Die Inszenierung war eine historische Schnittstelle, eine Momentaufnahme der Erneuerung und der Entwicklung der deutschsprachigen Bühnenkunst. Diese Theaterarbeit stand am Anfang des Wandels vom „Ärgernis Brecht“ zum modernen Klassiker des 20. Jahrhunderts und erwies sich als die Keimzelle für die Gründung des Berliner Ensembles.
In ANTIGONE :: COMEBACK werde ich als Zuschauer einzeln empfangen und erhalte eine Virtual-Reality-Brille. Mit ihr vor den Augen stehe ich alleine auf der Bühne. Ich realisiere, dass ich von Brecht (Peter Jecklin) als Helene Weigel (Claudia Renner) angesprochen werde. Ich bin inmitten einer Probe der „Antigone“. Als Zuschauer bin ich immer im Zentrum des Geschehens, werde als Agierender angesprochen, sehe um mich das originale Bühnenbild von Caspar Neher, meinen Bühnenpartner Kreon und den Regisseur, der zu mir spricht. Bin ich Beobachter oder Teil der Inszenierung? Soll ich mich gegen diese Zumutungen wehren oder identifiziere ich mich? Distanziere ich mich oder mache ich das Machtspiel mit? Antworte ich der Darstellerin, der Weigel, die plötzlich in ihrer kargen Garderobe real vor mir steht und mich anspricht? Man ist ganz dicht dran an der Probe, mitten drin, alle Eindrücke verdichten sich zu einer neuen, sehr intensiven Erfahrung. Das ist spielerisch erfahrene Theatergeschichte.
Mit grosser Überzeugungskraft entwerfen Bernhard Mikeska, Alexandra Althoff und Lothar Kittstein weit mehr als ein zeitgenössisches Szenario für Brechts Modellinszenierung „Antigone“. Der szenischen Installation glücken intime Momente, und in der Erinnerung an die historische Probearbeit in Chur zeichnet sich ein Bild für den Seelenzustand der Schauspielerin Helene Weigel. Damit rührt die Arbeit auch an die alte und immer junge Frage: Was ist Realität? Hier wird sie klug inszeniert als Grenzgang zwischen Traum, Wirklichkeit und künstlerischer Behauptung.
(Jean Grädel)