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4/5 oder von der Kunst keine Fahrstuhlmusik zu werden

Zell:stoff

Sa 30.05. — 19:30–20:50 — L’Échandole
So 31.05. — 13:30–14:50 — L’Échandole

Dauer 1h20 – deutsch – Übertitel französisch – Ab 14 Jahren

Wer schon seit einer Weile Theater schaut, kennt sie. Und zwar nicht nur oberflächlich, sondern von sehr vielen, sehr verschiedenen Seiten: Jaap Achterberg, Suly Röthlisberger, Pierre Siegenthaler und Nikola Weisse. Vier ältere Menschen, die ihr Leben der Bühne und dem Publikum gewidmet haben, finden in diesem Stück zusammen, als wäre es die logische Konsequenz ihrer Karrieren. Sie spielen sich selbst und über sich hinaus, sind wahr und erfunden – sie bringen sich selbst auf den Punkt. Damit wird etwas sichtbar, das überindividuell ist und uns alle angeht.

Die Autorin Hannah Zufall hat mit dem Ensemble Gruppen- und Einzelgespräche geführt. Aus diesem Material hat sie vier eigenwillige Figuren erfunden, die – , man weiss nicht wo, man weiss nicht warum –, nebeneinander auf Plakstikstühlen sitzen. Eine tägliche Routine des Beisammenseins, in die Jahre gekommen, wie sie selbst. Sie kennen sich in und auswendig und haben sich trotzdem noch erstaunlich viel zu sagen, manchmal auch mehrmals das Gleiche. Sie sind zu viert, aber Stühle sind da fünf. Denn einer ist schon nicht mehr da. Um ihn und um sie, die noch da sind, aber schon 4/5 ihres Lebens hinter sich haben, rankt sich das Gespräch. Da ist Schmerz über all die Verluste, die das Altern mit sich bringt, Auflehnung dagegen, Angst davor, selbst unsichtbar zu werden. Da ist Humor, weil er das Leben in jedem Altersabschnitt leichter macht, da ist Boshaftigkeit, weil wir halt auch böse sind und Zärtlichkeit, weil wir zu dieser ja auch fähig sind und weil wir sie alle so sehr brauchen – in jedem Alter.  Nur Sentimentalität ist da eigentlich nie.

Was am Ende hängen bleibt: Wenn man im Alter noch so spielen kann, wie diese Vier, mit so viel Freude, Galgenhumor und kindlichem Schabernack – dann ist das Elend des Alterns zumindest nicht total.

Julie Paucker

Die Luzerner Theatergruppe Zell:stoff, gegründet 2009 um Schauspieler und Produzent Patric Gehrig, Regisseurin Sophie Stierle und Bühnenbildnerin Saskya Germann, kreiert in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Künstler:innen der freien Szene Stücke, die sich gesellschaftspolitischen Themen widmen. Die Zusammenarbeit mit zeitgenössichen Autor:innen ist dabei zentral. Hannah Zufall ist Autorin von Theaterstücken, Hörspielen und Drehbüchern, sie lebt in Berlin.

  • Besetzung

    Mit: Jaap Achterberg, Suly Röthlisberger, Pierre Siegenthaler, Nikola Weisse
    Kollektiv: Zell:stoff
    Text: Hannah Zufall
    Regie: Sophie Stierle
    Konzept: Patric Gehrig / Saskya Germann / Sophie Stierle
    Bühne: Saskya Germann
    Video: Jost Nyffeler (ComMedia Videoproduktion)
    Kostüme: Saskya Germann
    Musik: Remo Seeland
    Dramaturgie: Patric Gehrig
    Licht: Martin Wigger
    Assistenz: Daniel Tscherrig
    Produktionsleitung: Bureau Substratn & Das Theaterkolleg
    Produktion: Bureau Substrat
    Koproduktion: Kleintheater Luzern

    Förderung: Kanton Luzern Kulturförderung, LuzernPlus, Stadt Luzern FUKA Fonds, Jürg George Bürki Stiftung, Ernst Göhner Stiftung, Gemeinnützige Gesellschaft der Stadt Luzern, Schweizerische Interpretenstiftung SIS, Charlotte & Joseph Kopp Maus Stiftung, Migros Kulturprozent Luzern, Landis & Gyr Stiftung, Markant Stiftung, Annette Ringier Stiftung, Anne-Marie Schindler Stiftung, Strebi Stiftung, Heinrich & Erna Walder-Stiftung, Stiftung Walidad und Cornelius Knüpffer Stiftung

    Französische Übertitelung: Subtext, Dòra Kapusta

  • Verbindungen

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