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Ça commence par le feu

Magali Mougel

Anne Bisang et Camille de Pietro / Théâtre populaire romand - Centre neuchâtelois des arts vivants La Chaux-de-Fonds

Do 22.05. — 18:00— Chollerhalle Zug

Dauer 100' (OHNE PAUSE) – französisch – Übertitel deutsch – AB 14 JAHREN

1989. Irgendeine Agglo-Stadt im Neuenburger Jura, vermutlich in der Nähe von Le Locle oder La Chaux-de-Fonds. Was in der Welt passiert, kommt hier nur in leisen Schallwellen an. Im Vordergrund stehen das Wetter und die Sorge vor dem Wolf, oder was immer es ist, was seit einigen Tagen umgeht. Nebel, Novemberdepression, ein öder Dorfplatz mit Busstation, direkt dahinter die Äcker. Der schale Glanz des lokalen Uhrenbusiness, welches den einzigen Weg zum Erfolg und zur Welt da draussen darzustellen scheint. Und doch, der Fall der Mauer und das Scheitern des ersten Klimagipfels bewegen die jungen Menschen auch hier. Vielleicht nur, weil sie denken, dass es sie bewegen müsste.

Das Stück der französischen Autorin Magali Mougel, geschrieben fürs Théâtre populaire romand in La Chaux-de-Fonds, spielt in diesem historischen Moment des Umbruchs: Ghettoblaster, Dock Martins, Miniröcke, ein bisschen Glitzer – wir sind mitten in den späten Achtzigern. Und doch hört sich alles, was da – je nach Charakter mal leidenschaftlicher, mal zynischer – verhandelt wird, an, wie eine Bestandsaufnahme von heute. Allerdings angereichert mit mystischen Elementen, die durch die suggestiven, sich fast unmerklich bewegenden Bilder der jungen Filmemacherin Camille de Pietro verstärkt werden. Die jungen Menschen hier träumen vom grossen Geld, von einem Amerika, das hält, was es verspricht: Vom «american way of life». Sie träumen von Liebe und Widerstand, selbst wenn dieser vielleicht von rechts kommt. 

«I want it all and I want it now» – auch so ein Lied von 1989. Irgendetwas soll sich ändern, muss brechen, niedergerissen oder niedergebrannt werden. Die ältere Generation bietet sich an, mit ihren Idealen, die der Gegenwart nicht mehr gewachsen sind. Oder der Sandkastenfreund, der hartnäckig Hakenkreuze vom Bushäuschen kratzt, die doch am nächsten Tag sowieso wieder da sind. Man könnte sich mit gutem Grund auch das Establishment vorknöpfen: wegen seiner Sekt-Talks, seiner Betulichkeit in der Kleinkindererziehung oder wegen des Riesenbohais, den es um einen niedergegarten Braten auf weisser Tischdecke zu veranstalten vermag. 

Und dann ist da noch der Wolf und dieser Eremit in den naheliegenden Wäldern, sowie eine Ortsgemeinschaft, die in der Lage ist, die Ordnung wiederherzustellen, wenn sie sich nur auf ihre Instinkte besinnt…

Dieses Panoptikum der Einzelstimmen und chorischen Fantasien einer Kleinstadt ist voll von Aufbegehren, aber auch von Wertezerfall, da ist Bereitschaft zum Handeln, aber auch zu Brutalität und Ausschluss. «Ça commence par le feu» beschreibt einen Moment, der die Möglichkeit zum Fortschritt in sich birgt. Oder die zur Katastrophe. Es liegt, so glaubt man es durch die Zeit hindurch zu hören, in unseren Händen zu entscheiden, welche der beiden Möglichkeiten wir wählen.

Julie Paucker

 

Anne Bisang, Regisseurin und seit gut 10 Jahren Leiterin des Théâtre populaire romand (TPR) in La Chaux-de-Fonds, beauftragte Magali Mougel damit, ein grosses Ensemblestück für ihr Theater und ihre Region zu schreiben. Für eine cineastische Dimension sorgen die Videos von Camille de Pietro, sowie die Musik von Elie Zoé, für den Zeitbezug die Ausstattung von Anna Popek und Anna Van Bree. Das Stück entstand in Zusammenarbeit mit dem POCHE/GVE. Es stiess in seiner Heimatstadt, aber auch auf den Gastspielen, auf grossen Erfolg.

  • Besetzung

    Von: Magali Mougel
    Mit: Françoise Boillat, Angèle Colas, Yann Philipona, Dylan Poletti, Juliette Vernerey, Philippe Vuilleumier / A l'écran Fanny Künzler, Isabelle Meyer, Yara Marti
    Autorin: Magali Mougel
    Konzept: Anne Bisang et Camille de Pietro
    Regie: Anne Bisang
    Bühne: Anna Popek
    Video: Camille de Pietro
    Kostüme: Anna Van Bree
    Musik: Elie Zoé
    Dramaturgie: Sélima Chibout
    Licht: Jonas Bühler
    Ton: Fred Jarabo
    Assistenz: Camille Charlotte Roduit
    Produktionsleitung: Jehanne Carnal
    Produktion: Théâtre populaire romand - Centre neuchâtelois des arts vivants - Jehanne Carnal
    Koproduktion: POCHE/GVE
    Förderung: Fondation Philanthropique Sandoz, Fondation culturelle BCN, Fondation Ernst Göhner, Fondation Casino Neuchâtel, Fondation Jan Michalski
    Mit der Unterstützung von Viteos

  • Verbindungen

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