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Hekabe

Schauspielhaus Zürich

Fr 29.05. — 20:00–21:40 — Théâtre Vidy-Lausanne

Dauer 1h40 – deutsch – Übertitel französisch, Englisch – ab 14 Jahren. Einsatz von Stroboskop-Licht, laute Musik und Nebel.

Troja in Asche – der Krieg ist endlich vorbei, aber die Brutalität hat sich festgesetzt. In den Menschen, in ihren Handlungen. Sie scheinen jeglichen Kompass des Umgangs verloren zu haben. Zwischen zärtlichem Techtelmechtel und dem Missbrauch oder Totschlag wehrloser Frauen und junger Mädchen scheint der Übergang fliessend. Wo die Grundverabredung eines respektvollen Zusammenlebens verloren ist, ist Grausamkeit einfach nur eine Spielart menschlichen Miteinanders neben anderen.  

Hekabe, die Königin Trojas und deren Begleiterinnen sind verschleppt und in Gefangenschaft. Sie befinden sich im Bauch eines Kriegsschiffes, auf dessen unsichtbarem Deck die Griechen eine Siegesparty feiern. Die Trojanerinnen sind der Willkür und der sexuellen Gewalt ihrer «Besitzer» ausgeliefert. Hekabe hat fast alle ihre Kinder im Krieg verloren. Zwei sind ihr geblieben. Nun soll die Tochter Polyxena geopfert werden. Hekabe schluckt ihren Stolz herunter und redet mit allen, sie appelliert an die Menschlichkeit, an die Vernunft, sie argumentiert mit Charme und Diplomatie. Und sie wird auch gehört, wie es scheint – doch dann geht das politische Handeln seinen Gang, als wäre nichts gewesen. Als hätte man nicht gesprochen! 

Hekabes allerletztes Kind Polydoros lebte versteckt, seine Mutter wollte es fernhalten von Krieg und Gewalterfahrung – doch ist ihr Sohn der Gier und dem Opportunismus seines Beschützers zum Opfer gefallen. Hekabe ist nun am Ende ihres Glaubens an einen Weg jenseits von Gewalt angekommen.  

Dass Euripides‘ Stück so viel über unsere Zeit erzählt, ohne dass sein Text massgeblich modernisiert worden wäre, ist frappant. Das liegt vor allem an der grandios suggestiven Erzählweise des Regieteams, das auf alptraumhafte Bilder setzt. Diese agieren mehr mit unserem Unterbewusstsein als mit unserem Intellekt. Man hat das alles schon gesehen und gefühlt, und zwar nicht irgendwann, sondern so ungefähr in den letzten 3 Jahren: Den Schock, das Erstarren, die Ratlosigkeit, das instinktive Aufbegehren, die Rückkehr der Vernunft und der Entschluss zu Handeln. Das Handeln aber fühlt sich fremdbestimmt an. So, als hätte man sich einem Algorithmus ergeben, der sowieso schon immer gewusst hatte, was man tun würde. Und es ist nichts Gutes. 

Julie Paucker

Das griechische Regieduo Angeliki Papoulia und Christos Passalis, Mitbegründer der BLITZ theatre group, sowie bekannt als Schauspielende aus Filmen des preisgekrönten Regisseurs Yorgos Lanthimos («The Lobster»), arbeiten hier zusammen mit dem ungarischen Bühnenbilder Márton Àgh (Bühne) und Katrin Wolfermann (Kostüm) sowie dem Musiker Nicolas Fehr. Gemeinsam mit ihnen erschaffen sie ein Zerrbild unserer Gesellschaft. Leitmotivisch begleitete BLITZ theatre die Frage, die auch Hekabe zu durchziehen scheint: «How did we end up here?» 

«So aktuell wie kaum ein anderes Drama dieser Zeit.» 

Johannes Bruggaier, Südkurier 

«In Papoulias und Passalis' finsterer, von Nebelschwaden durchzogenen Szenerie beginnt man, das Fühlen und Denken in einer Welt von entgrenzter Gewalt sinnlich zu verstehen. [...] Eine so beklemmende wie faszinierende Erfahrung.» 

Johannes Bruggaier, Südkurier 

«Die Handlung und der Text bewegen sich nahe am Original, doch nichts wirkt aus der Zeit gefallen, alles lebendig.» 

Mirja Gabathuler, nachtkritik.de 

 

CONTENT NOTE:
Diese Inszenierung thematisiert Krieg und seine Folgen, einschliesslich Trauer, Verlust und Vertreibung. Thematisiert werden zudem Gewalt und Kindstod. Es gibt zeitweise Darstellungen von Erbrechen.

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Shuttleservice

Nach der Aufführung bieten wir Ihnen um 23:00 Uhr einen kostenlosen Shuttle-Service nach Yverdons-les-Bains an.

Wir bitten Sie, sich für diese Fahrt bei uns anzumelden, damit wir für Sie einen Platz reservieren können: koordination@schweizertheatertreffen.ch 

  • Besetzung

    Autor: Euripides
    Regie: Angeliki Papoulia Christos Passalis
    Mit: Yvon Jansen, Lorena Handschin, Lena Schwarz, Hilke Altefrohne, Laina Schwarz, Lukas Darnstädt, Henri Mertens, Mervan Malwin Ürkmez, Matthias Neukirch, Simon Kirsch, Kenan Wirth (Kind)
    Übersetzung: aus dem Griechischen von Dietrich Ebener
    Bühne: Márton Ágh
    Kostüme: Katrin Wolfermann
    Musik: Nicolas Fehr
    Choreografie: Chara Kotsali
    Dramaturgie: Rose Reiter
    Inspizienz: Dayen Tuskan
    Soufflage: Katja Weppler
    Produktion: Schauspielhaus Zürich

    Französische Übertitel: Subtext, Dòra Kapusta
    Englische Übertitel: Panthea

     

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